Zuschüsse für Schnellladestationen für Gemeinden und Unternehmen E-Auto-Verband rechnet mit Verdreifachung der Elektroautos in den nächsten drei Jahren


Auch kleine Gemeinden sollen Schnellladestationen für Elektroautos installieren.©Elbilforening
Auch kleine Gemeinden sollen Schnellladestationen für Elektroautos installieren.©Elbilforening

Oslo, 21. September 2017. „… in Oslo droht die Elektromobilität gerade an ihrem eigenen Erfolg zu scheitern“ (Spiegel), „Der Kampf um die Steckdosen – Oslo ist mit Elektroauto-Boom überfordert“ (Stern), „Norwegen hat ein E-Auto-Problem“ (Süddeutschen Zeitung) und „Total überfordert: In Norwegen zeigt sich, welche Probleme E-Autos auslösen können.“ (Business Insider). Mit diesen Schlagzeilen nahmen deutsche Medien in der vergangenen Woche das Thema auf, das die deutsche Nachrichtenagentur dpa in einem Gespräch mit dem Sprecher des Verbandes der E-Auto-Besitzer in Norwegen, Elbilforening, Petter Haugneland, auf das Tapet gehoben hat: Fehlende Ladestationen in Oslo.

Nicht zufällig kam es während der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt/Main zur Sprache, mitten in der deutschen Diskussion um ein Verbot von Diesel- und Benzinautos. Tatsächlich hat Haugneland sich zu den fehlenden Ladestationen geäußert und gegenüber BusinessPortal Norwegen bestätigt: „Es ist korrekt, wir empfehlen momentan nicht den Kauf von Elektroautos in Oslo, wenn man keinen Zugang zu Ladestationen zu Hause oder im Betrieb hat. Öffentliche Ladestation in Oslo sind überfüllt und es ist unpraktisch, herumzufahren, um eine freie Station zu finden. Wir müssen mehr Ladestationen in Parkgaragen installieren, wo die Leute leben und arbeiten.“

Der prozentuale Anteil der neu zugelassenen E- und Hybrid-Autos liegt gegenwärtig bei 35 Prozent, in der Hauptstadt bei 40 Prozent. 50.000 Elektrofahrzeug und 30.000 ladbare Hybrid-Autos sind derzeit im Großraum Oslo registriert, bestätigte Sture Portvik von der Osloer Stadtverwaltung gegenüber dpa. Demgegenüber stünden 1.300 kommunale Ladestationen. „Wir geben unser Bestes“, sagte Portvik. „Jedes Jahr installieren wir 26 Prozent mehr Ladestationen, aber die Anzahl der E-Autos ist über 100 Prozent gestiegen. Die Kluft wird nur größer und größer.“

Konkrete Ziele sollen in den Nationalen Transportplan

Dass Ladestationen in Norwegen fehlen, ist keine neue Erkenntnis. Immer wieder fordert Elbilforening, beim Ausbau der Infrastruktur rund um das Elektroauto an Tempo zuzulegen.

Um seine Emissionsziele im Bereich Transport zu erreichen – 2025 sollen alle neu zugelassenen Autos in Norwegen Nullemissionsfahrzeuge sein – braucht Norwegen bis 2020 3.000 neue Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge. Darauf verwies Elbilforening bereits im April dieses Jahres. Der am 4. April dieses Jahres von der Regierung vorgestellte Nationale Transportplan 2018 bis 2029 dürfe nicht nur Angaben zum Straßenbau enthalten, sondern müsse auch klare Ziele für Aufladestationen nennen, so die Forderung der E-Auto-Lobby. Damals hat keine deutsche Zeitung darüber berichtet.

Wurden am Anfang des E-Auto-Booms in Norwegen Präferenzen nur für die Käufer gewährt, so vergibt die Regierung nun auch Zuschüsse zum Aufbau der Infrastruktur. Konkret erhalten Gemeinden finanzielle Unterstützung zum Aufbau von Schnellladestationen. 300 norwegische Gemeinden brauchen nach Meinung von Elbilforening noch schnelle Kfz-Ladegeräte. Das von der Regierung aufgelegte Programm gewährt Gemeinden Zuschüsse, in denen es weniger als zwei Schnellladegeräte gibt. Die Obergrenze der Beihilfen beträgt bis zu 40 Prozent der genehmigten Investitionskosten oder 200.000 Kronen pro Triple Standard Schnellladegerät.

Fast 300 Gemeinden auf der Förderliste

Die Umsetzung erfolgt über Enova SF, ein Unternehmen des Ministeriums für Petroleum und Energie, das 2001 zur Umsetzung von Förderprogrammen gegründet wurde, die die Reduzierung von Treibhausgasen, die Entwicklung neuer Energie- und Umwelt-Technologien und die Sicherheit von Energiezulieferungen unterstützen. Jährlich investiert Enova mehr als zwei Milliarden NOK, um Norwegen grüner zu machen. Sowohl öffentliche als auch private Unternehmen und Institutionen können sich um Unterstützung bewerben.

„Enova hat zur Installation von 230 Schnellladegeräten entlang der Hauptstraßen zwischen den Teilen des Landes beigetragen“, sagt Enovas Marketingdirektor Audhild Kvam. „In den Großstädten werden die Schnellladegeräte jetzt ohne öffentliche Unterstützung gebaut, aber viele andere Kommunen haben noch keine entsprechende Infrastruktur. Jetzt wollen wir die Entwicklung auch an diesen Orten beschleunigen, so dass das Elektroauto eine echte Alternative ist.“ Mit dem aktuellen Programm werden 287 Gemeinden unterstützt, weitere Bewerbungen sind möglich.

E.ON am Aufbau der Infrastruktur beteiligt

Private Unternehmen haben den Aufbau von Ladestationen längst als attraktive Investitionsmöglichkeit entdeckt.  Ikea will alle Märkte in Norwegen mit Schnellladestationen für Elektroautos ausrüsten.  Das dänische Unternehmen CLEVER und der deutsche Konzern E.ON, die Anfang Februar eine Partnerschaft zum Ausbau von Schnellladstationen (150+ kW) in Europa eingegangen sind, starten mit ihrem gemeinsamen Projekt in Norwegen. Entsprechend einer Vereinbarung mit dem Benzinhändler YX sollen zwischen 2018 und 2020 20 ultraschnelle Ladestationen an YX-Tankstellen zwischen Oslo, Kristiansand, Stavanger, Bergen und Trondheim installiert werden. „Ein Teil der Ladetechnologien wird bereits von deutschen Unternehmen geliefert – und ich denke, dass sie ihre Technologien kontinuierlich verbessern, nachdem sie diese in Norwegen getestet haben – dem einzigen Land in der Welt, in dem schon in einem frühen Stadium ein Massenmarkt existiert“, sagt Christina Bu, Generalsekretärin von Elbilforening, Anfang dieses Jahres in einem Interview mit BusinessPortal Norwegen.

Trotz der momentan unbefriedigenden Ausstattung des Vorzeigelandes der E-Mobilität mit Schnellladestationen glaubt der Verband der Elektroauto-Besitzer daran, dass in Norwegen ab 2025 nur noch emissionsfreie Kraftfahrzeuge gekauft werden, sofern die Förderpolitik fortgesetzt wird.

„Wir sehen eine Verdreifachung von Elektroautos in den nächsten drei Jahren. Die Schnelllade-Stationen müssen so schnell wie möglich installiert werden und die Entwicklung der E-Mobilität vorantreiben“, schreibt Christina Bu auf der Homepage des Verbandes. Und Haugneland ergänzt: „Bis 2025 wird viel passieren.“

Von einem Scheitern der Elektromobilität kann nicht die Rede sein.

Jutta Falkner

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