Keine Empfehlung für Einstieg des Staatsfonds in Private Equity

Oslo, 10. April 2018. Das norwegische Finanzministerium legte dem norwegischen Parlament am 10. April 2018 seinen Bericht über die  Ergebnisse und Bewertungen der Verwaltung des staatlichen Pensionsfonds im Jahr 2017 vor. Bei der Präsentation des White Papers auf einer Pressekonferenz bescheinigte Finanzministerin Siv Jensen den Verwaltern des Government Pension Fund Global und des Government Pension Fund Norway, Norges Bank und Folketrygdfondet, eine gute Arbeit. „Wir haben ein gutes Management unserer gemeinsamen Ersparnisse. Es ist offen, verantwortungsbewusst, langfristig und kosteneffizient. Sowohl Norges Bank als auch Folketrygdfondet haben im Laufe der Zeit gute Ergebnisse erzielt”, sagt Jensen. 

Eine gute Rendite auf die gemeinsamen Ersparnisse werde auf lange Sicht für die öffentlichen Finanzen wichtig sein. Der diesjährige Bericht zeige, dass Norges Bank bedeutende Werte geschaffen hat, so Jensen weiter.

Im Mittelpunkt der Überprüfung stehen Analysen und Bewertungen der Abweichung der Norges Bank von der Benchmark, des Referenzindex des Finanzministeriums. Im Wesentlichen sei der Fonds in der Nähe des Referenzindex des Finanzministeriums investiert, weniger als ein Prozent der Rendite des Fonds sei dem aktiven Management der Norges Bank zuzurechnen. Es gebe gute Gründe, warum der Fonds nicht vollständig im Einklang mit dem Index verwaltet werden sollte. Die Größe und andere Eigenschaften des Fonds böten Möglichkeiten, eine höhere Rendite als die Benchmark zu erzielen, heißt es in einer Pressemitteilung des Finanzministeriums. Die Regierung plant, den Rahmen für Abweichungen von der Benchmark auf dem heutigen Niveau zu halten.

In den letzten beiden Berichten hatte das Finanzministerium Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen bewertet, nachdem Norges Bank angeregt hatte, in das Private-Equity-Geschäft einzusteigen. Bisher darf der Staatsfonds nur in Aktien börsennotierter Unternehmen investieren. In der jetzigen Bewertung zeigte sich die Regierung für solche Investitionen nicht offen.

Die Regierung habe geprüft, ob der GPFG für Investitionen in nicht börsennotierte Aktien geöffnet werden sollte, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dies könne Norges Bank erhöhte Anlagemöglichkeiten bieten, stelle jedoch auch das Managementmodell in Frage, das auf Offenheit, niedrigen Kosten und einem begrenzten aktiven Management basiert. Die Regierung habe nach einer umfassenden Bewertung entschieden, dass solche Investitionen nicht generell erlaubt werden sollten.

„Es ist schlicht und einfach die Tatsache, dass wir auf das Image des Fonds achten müssen, speziell wenn es um Transparenz geht,“ sagte die Ministerin gegenüber Journalisten.

Der Finanzausschuss regte an, Investitionsmöglichkeiten im Rahmen des Umweltmandats des Staatsfonds in den Bereich Erneuerbare Energien in Erwägung zu ziehen. Solche Investitionen hätten dann die gleichen Anforderungen an Offenheit, Rendite und Risiko wie andere Investitionen, sagte Finanzministerin Siv Jensen. Die Regierung folgt dieser Empfehlung des Finanzausschuss. Das Finanzministerium werde auch die Regulierung von Umweltmandaten überprüfen, einschließlich der Größe der Mandate.

Ein möglicher Einstieg des norwegischen Staatsfonds in das Private-Equity-Geschäft ist in den deutschen Medien mit Interesse verfolgt worden.  Yngve Slyngstad, Chef des GPFG, hatte Anfang Februar dieses Jahres gegenüber dem Nachrichtenmagazin Focus erklärt, dass der Fonds stärker in Deutschland investieren will. “Wenn Sie unsere Investitionen relativ zur Wirtschaftskraft des Landes betrachten, zeigt sich, dass wir dort noch Nachholbedarf haben”, so Slyngstad. Bei der Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten stehe Deutschland im Fokus. “In Deutschland gibt es viele erfolgreiche mittelgroße Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind.”

Erfahrungen mit dem deutschen Mittelstand haben die Norweger mit börsennotierten Firmen wie Carl-Zeiss, Fielmann oder der Baumarktkette Hornbach.

Das letzte Wort über eine Ausweitung der Investitionstätigkeit des Government Pension Fund Global hat das norwegische Parlament.

Mit einem Vermögen von über 8.000 Milliarden NOK (über 830 Milliarden Euro) ist der Government Pension Fund Global der größte Staatsfonds der Welt.  Damit liegt er vor dem Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate, dem Abu Dhabi Investment Authority, und der China Investment Corporation.

Der Fonds ist auch der größte Investor der Welt. Die Norweger haben Anteile an über  9.000 Unternehmen in 72 Ländern und besitzen 1,4 Prozent aller Aktien börsennotierter Unternehmen, in Europa 2,4 Prozent.

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